Einen Keyer selbst bauen

OK, du möchtest also deinen eigenen Keyer bauen? Kein Problem. Ich sollte, bevor du damit beginnst erwähnen, dass es keine Gewährleistung gibt. Ich übernehme keine Garantie dafür, dass es funktionieren wird, keine Garantie, dass es gut aussieht, keine Garantie, dass die Schaltung dein kostbares Rig nicht zerstört... Nein, nichts von alledem werde ich dir versprechen. Alle Angaben, die sich in diesem Text finden, sind so, wie sie sind. Wenn du Fehler findest, werde ich diese soweit mir das möglich ist, korrigieren. Aber du tust alles auf eigene Faust...

  1. Beschaffung der Teile, der Leiterplatte und des Gehäuses
  2. Den Schaltplan und das Platinendesign kannst du von der vorherigen Seite herunterladen. Für die Teile gibt es eine komplette All-in-One-Teile-Liste bei www.reichelt.de, die du benutzen kannst, um alle notwendigen Bauteile, einschließlich der Fischer Aluminium-Gehäuse KOH-100 direkt dort zu bestellen. Folge einfach diesem
    Link um die Liste zu sehen.

    https://secure.reichelt.de/index.html?&ACTION=20&LA=5010&AWKID=1159985&PROVID=2084

    Dies ist übrigens auch dann sinnvoll, wenn du die Teile nicht direkt bei Reichelt bestellen willst, sondern über einen anderen Händler. Du kannst über diese Liste den Hersteller der Teile und die Hersteller Artikel-Nummern sehen. Dadurch sollte es recht einfach sein, die Teile auch von wo anders her zu bekommen.

  3. Löten und Testen
  4. Der Schaltplan zeigt nur sehr wenige und einfache Teile. Also ist es sehr wahrscheinlich kein großes Risiko einfach alle Teile auf die Platine zu "ballern", anzulöten und fertig... (Achtung: Das Poti und die Taster müssen etwas speziell montiert werden, auch dann, wenn ihr die Schnellmethode bevorzugt). Wer böses Debuggen vermeiden will und, wenn dieses Projekt vielleicht dein erstes DIY-Projekt ist, dann könnte es ratsam sein, etwas langsamer vorzugehen...

    OK, hier also das langsame Vorgehen: Zuerst den Schalter SW1, den Batterie-Clip BT1, die beiden Elektrolytkondensatoren C4 und C5 (beide 100μF) und den linearen Regler LM78L05 (U1) verlöten. Hierbei bitte auf die richtige Einbaurichtung achten. Zusätzlich werden R12 (680 Ohm), die Power-LED (grün, 3.2mcd, low-current) und der drei-pin-header J1 eingelötet. Setze einen Kurzschluss-Jumper auf J1 so, dass PWR-LED-Ctrl auf permanent-ON gesetzt ist. Sollte der Jumper falsch gesteckt sein, geht die Welt nicht unter. Nur die LED leuchtet dann eben halt nicht. Überprüfe nochmals die Polarität der einzelnen Komponenten, bevor du sie einzulöten beginnst ( Immer daran denken: Der beste Weg, etwas auszulöten, ist es nicht falsch einzulöten... ;-))

    Jetzt kann eine 9V-Batterie angeschlossen werden, um sicher zu gehen, dass die Stromversorgung des Keyer-Boards wie vorgesehen funktioniert. Bitte überprüfe, dass der Schalter arbeitet, dass der Mittelstift des Steckfelds J1 5,0 Volt gegen GND (oder den Minus-Pol des Batterieanschlusses) aufweist und nicht etwa 9V. In dieser Konfiguration wäre es eine gute Idee, wenn die LED leuchten würde. Natürlich nur, wenn der Schalter eingeschaltet ist und der Jumper J1 entsprechend gesetzt und eine Batterie dran ist, HI HI...

    Nun werden R1, C1, C2, C3, C6 und C7 sowie der 16 MHz-Quarz eingelötet. Füge auch den Piezolautsprecher, den Header für die ICSP-Schnittstelle (doppelte Überprüfung, dass die Kerbe an der richtigen Stelle ist! Das Ding ist, wenn es einmal falsch drin ist, so gut wie nicht mehr auszulöten. Zumindest nicht mit einer einfachen Lötstation.) Jetzt noch den DIL-28 Sockel für den Atmega 328 einbauen und alles ist so weit vorhanden, dass man die CPU zu irgendwelchen Aktionen überreden kann. Überprüfe ganz in Ruhe noch mal alles, steck den Atmega in seinen Sockel und schalte das Board nicht ein. Wenn du es doch tust, sollte nichts passieren, da auf dem Atmega ja noch keine Firmware drauf ist.

  5. Flashen der Firmware
  6. Nimm deinen bevorzugten ICSP-Programmieradapter (Ich mag den USB-ASP, der kostet nur ein paar Euronen in der Bucht), starte die Arduino-IDE, öffne das Keyer-Projekt. Jetzt brennst du (in dieser Reihenfolge!) zunächst einen Arduino UNO Bootloader (der wird eigentlich gar nicht benötigt, denn wir programmieren den Keyer ja mit einem ICSP... aber damit sind die Fuses auf eine einfache, bequeme Art korrekt gesetzt und wer macht sich schon gerne mehr Aufwand als nötig) und anschließend den "Sketch" (die Firmware). Letzteres geht, indem du das Menü "Sketch->Hochladen mit Programmer" wählst.

    Nach erfolgreichem Upload, wird das Keyer-Board vom Programmierer resettet werden. Kurz darauf sollte ein freundliches "bleep-up" aus dem Lautsprecher zu hören und wenn der Jumper auf J1 in der Position für eine CPU-gesteuerte Power-LED sitzt, dann sollte die Power-LED nun auch leuchten und später anfangen zu blinken, sowie nach ca. 30 Sekunden verlöschen. Wenn all dies geschieht: Du Glückspilz! ;-) Der Keyer lebt schon mal... Gut, ein paar Steuerelemente fehlen noch aber er lebt.

  7. Einbau der noch fehlenden Komponenten
  8. Die einzigen noch fehlenden Komponenten sind die Taster (SW2 ... SW10), die dazugehörigen Widerstände (R2 ... R10), das Drehzahl-Potentiometer (RV1), die Steuer-LED, die TX-LED und die entsprechenden Vorwiderstände (R13, R14). Alle diese Komponenten sind völlig unkritisch. Trotzdem gibt es zwei "kleine" Merkwürdigkeiten:

    Wie im Bild oben zu sehen ist, müssen die Tasten auf der anderen Seite der Leiterplatte platziert werden. Wenn dies nicht erfolgt, wirst du die sehr unangenehme Aufgabe bekommen, diese wieder sauber und zerstörungsfrei von der Leiterplatte zu entfernen. Werden die Dinger auf der falschen Platinenseite montiert, lässt sich der Keyer nicht mehr sinnvoll in ein Gehäuse einbauen!

    Wenn das Potentiometer RV1 für die WPM-Geschwindigkeit eingelötet werden soll, müssen unbedingt die Anschlussstifte wie oben auf dem Bild gezeigt gebogen werden, bevor das Poti eingelötet wird. Wenn richtig gebogen, müssen die Stifte einen "doppelte"-L-Form aufweisen. Dies dient zweierlei: 1. Es reduziert die Höhe des Potentiometers über der Leiterplatte und wird ermöglichen, dass alles ins Gehäuse passt. Mit ungebogenen Pins (bzw. falsch gebogen) wird es nicht ins Gehäuse passen. 2. Es erlaubt das Potentiometer besser mit der Frontblende des Gehäuses auszurichten.

    Es ist ratsam, das Potentiometer mit den gebogenen Anschlussstiften vor dem Löten auf Funktion zu testen. Das Teilchen wieder von der Platine zu bekommen, ohne diese zu zerstören, ist eine echte Herausforderung... Leider weiß ich, was ich hier sage...

    Nun noch die restlichen Komponenten: die Mini-Buchsen für Morsetaste und TRX-Verbindung, die verwendeten Blockkondensatoren C8, C9, C10, der Schalttransistor Q1 (BC-547C oder ähnlich), und der Vorwiderstand R11.

OK, jetzt solltest du einen funktionsfähigen Keyer besitzen, der "nur noch" in das Gehäuse eingebaut werden muss. Wenn nicht, bitte doppelt und dreifach überprüfen, ob irgendwo etwas anders ist, als auf dem Schaltbild. Wenn alles nichts hilft und der Keyer wirklich par tout nicht laufen will, schreib mir eine Notiz, an dl1smf@darc.de