Wie es dazu kam (vielleicht findet es jemand interessant)

Als ich beschloss, mit Morsen anzufangen, dachte ich nicht, dass ich dies mit einem plumpen externen Keyer tun würde. Moderne Transceiver haben interne Keyer und das sollte für mich mehr als genug sein. Ich dachte, ich würde nur den internen Keyer in meinem Transceiver TS-480HX benötigen. Vor allem nach dem Lesen der Transceiver-Dokumentation: Diese Dokumentation beschrieb den eingebauten Keyer als den Gipfel der Dekadenz, die Neudefinition von Luxus, den heiligen Gral aller verfügbaren CW-Keyer... ;-)

Nun, das war es auch ... zu einem gewissen Grad. Er hatte drei Speicher, tempoabhängige Punkt-Strich-Gewichtung und einen Geschwindigkeitsbereich, welcher scheinbar für die Ewigkeit gemacht war. Leider gab es ein paar kleinere Pannen mit dem Keyer. Manchmal fügte er nämlich unwillkürlich ein paar "dah"s ein, in meine Buchstaben, ja, in meine Buchstaben... und zwar auch dann, wenn ich die "dah"-Seite des Paddles nicht einmal berührt hatte. Am Anfang war ich nicht sicher. Hey, ich war ein Anfänger (genaugenommen: ich bin noch immer ein Anfänger...). War es meine Schuld? Aber warum passierte das nicht auch auf externen Keyern oder anderen Transceivern mit ihren internen Keyern? Ich war ernsthaft verunsichert.

Außerdem wollte ich am nächsten QRS-Net auf 80m teilnehmen. Das letzte hatte viel zu viel Spaß gemacht, als das ich dieses versäumen wollte. Aber was nun? Ich fühlte mich wirklich unwohl im Umgang mit dem internen Keyer des TS-480, der aus meiner Übertragung einen noch größeren gemischten Salat aus Buchstaben gemacht hatte, als je zuvor. Hmm, habe ich da nicht, dieses Arduino-Board irgendwo in einem meiner Schubladen? Nein, kann es nicht finden, aber ich habe ein Steckbrett und diesen Ersatz ATmega328, einen 16MHz Quarz habe ich auch noch und mein Programmierkabel und ... OK, das Zeug sollte in der Lage sein, mir aus der Klemme zu helfen...

Ich war ein "wenig" in Eile, so dass ich nicht einmal die alte Tante Google nach einer fertigen Arduino-CW-Keyer-Firmware gefragt habe. Ich schrieb mir kurzerhand meine eigene. Zwanzig hässliche Codezeilen, einiges an digitalem Klebeband später, und es funktioniert traumhaft, ohne dabei Symbole zu verlieren oder gratis welche dazuzugeben. Es war ein Vergnügen, damit zu arbeiten. Und das habe so auch viele Wochen getan. Dennoch, das Design -- wenngleich außergewöhnlich für einen CW-Keyer -- ließ einiges zu wünschen übrig:

Also habe ich nochmal etwas "zusammengehauen". Diesmal sollte es etwas hübscher aussehen -- Immerhin wollte ich diesen Keyer bis zum jüngsten Tag benutzen. Ich hatte vor, das Ganze in ein schickes Gehäuse zu verbauen und spielte dann noch eine Weile mit meiner Firmware herum. Hmm,... es sieht so aus, als hätte ich den ICSP-header vergessen... MIST...:

Generell lief der Keyer so ganz vorzüglich. Ein paar kleinere Einschränkungen gab es aber doch: Zum einen war der verbaute LM7805 etwas gierig. Seine Minivariante LM78L05 hätte wohl deutlich weniger Strom im Leerlauf konsumiert. Und jetzt rächte sich, dass ich einfach gut erreichbare Pins der CPU genommen hatte, um Dit- und Dah-Paddle anzuschließen. Das führte dazu, dass ich wenn ich Energiesparfunktionen der CPU verwenden wollte, ich diese nur noch mit einem Druck auf das Dit-Paddle wieder zum Leben erwecken konnte. Das war keine gute Idee. OK, Zeit für die Revisionen drei und vier...:

Während des Designs von Version 3 (1.3) bemerkte ich die eierlegende Wollmilchsau Firmware für Atmega, bzw. Arduino-basierte CW-Keyer von K3NG (diese kann man finden, wenn man diesem Link folgt.). Seine Firmware ist eine wahre Ausgeburt and Features. Viel viel mehr als meine eigene hat. So verfiel ich der Überlegung, meine eigene Firmware an den Nagel zu hängen, das Boarddesign ebenfalls sein zu lassen und einfach seine Firmware mit einer auf seiner Seite aufgeführten kommerziellen Kit-Lösung zu verwenden. Damit müsste ich viel schneller und leichter fertig sein... Also warum das Rad neu erfinden?

Um es kurz zu machen: Alle Kits, alle fertigen Keyer, auf die Anthonys Seite verwies, hatten nur vier Taster. Einen Commandbutton, drei Speicher. Der Open CW-keyer hat diese auch noch zu allem Überfluss in der Gehäusefront. Um es klar zu sagen: Das ist eine sehr ungünstige Position für diese Taster, wenn man deren Größe und die Größe des Gehäuses berücksichtigt. Der nano-Keyer hat die Taster oben auf dem Gehäuse. Cool! Da hat offenbar jemand nachgedacht. Leider sind es beim nano-Keyer aber trotzdem nur vier Taster. Dafür war der nano-Keyer für Dinge vorbereitet, die ich weder benötige, noch will (WinKeyer, PC-Keyboard). Der nano-Keyer benutzt ein industriell gefertigtes Arduino nano Entwicklerboard, welches über USB mit Strom versorgt wird. So durchdacht, wie der nano-keyer auch ist. An meinen Wünschen ging er mehr als knapp vorbei. Also doch wieder KiCad anwerfen und den 4. Versuch beenden (der 3. Versuch wurde nie gebaut)...

Dieses Mal habe ich den ICSP-Header nicht vergessen und es gibt 5 weitere Buttons (d.h. es sind nun 8 Memory/Funktions-Button). Weiterhin habe ich den LM7805 gegen einen LM78L05 ausgetauscht und einen Jumper hinzugefügt, um das Board mit Anthonys Firmware kompatibel zu halten, die derzeit nicht unterstützt die Power-LED über den µC zu steuern. Vielleicht baut er das eines Tages noch ein.

Nach einer Weile habe ich bemerkt, dass anders als der LM7805 der LM78L05 instabil wird, wenn die Batteriespannung auf 6.5-7 Volt gefallen ist. Das ist anders als in der Dokumentation des Herstellers angegeben, ließ sich aber leicht lösen. Einfach ein paar größere Buffer (100µF) vor und hinter den Regler und Ruh ist.

Das Gehäuse war auch eine offene Frage. Ich gebe zu, dass ich das Fischer Gehäuse (KOH-100) des nano-Keyers von DJ0MY so schick fand, dass ich nicht lang weiter gesucht habe, sondern es schamlos ebenfalls benutze. Das ist der Grund, warum sich die beiden Keyer äußerlich so ähneln: